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Auf Schatzsuche in einer Garage

BMW Motorrad - 19.06.2016 Sport

1464184491585.jpg Sebastian Gutsch und die Faszination klassicher Motorräder

Sebastian Gutsch ist aus der Motorrad-Klassik-Szene nicht wegzudenken: Seit Jahrzehnten beschäftigt sich der Münchner mit der Restaurierung alter BMW Motorräder.

Dabei geht es nicht nur um die Optik. Gutsch fährt die Motorräder bei Klassikrennen wie dem Goodwood Revival oder auf der Isle of Man und war auch beim Oldtimer-Event Concorso d’Eleganza Villa d’Este einer der Ersten, der sich auf die R 5 Hommage setzte. Schließlich stammt der im Bike verbaute Original-Motor aus seiner Sammlung. Nur eine von vielen Raritäten und Geschichten aus seiner Garage.

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Motorradpassion im Fahrradladen.

Im Museum der BMW Welt in München stehen die bedeutensten Modelle aus 93 Jahren BMW Motorrad.

Viele der Motorräder gingen durch die Hände von Sebastian Gutsch. Nach Dienstschluss tauscht der 50-jährige Anwalt die Robe gegen den Blaumann und verschwindet in seiner Werkstatt. Die ist eine wahre Fundgrube für BMW Teile und Gutsch ein Fachmann in der Restaurierung alter BMW Motorräder. Seine Leidenschaft für Klassiker begann, als er den Fahrradladen eines alten Mannes betrat. Gutsch war damals gerade einmal 14 Jahre. Eigentlich zu jung, um sich für alte Mechanik zu interessieren.

„Es fasziniert mich, wie all diese Teile zusammenpassen. Ein altes Wrack aus dem Schuppen zu ziehen und zu neuem Leben zu erwecken – das hat etwas Magisches“, sagt Gutsch.    

Jeden Tag nach der Schule tauchte er in der Werkstatt des Alten auf und werkelte nach Lust und Laune an seinen Mopeds. Denn neben Fahrrädern hatte der alte Herr auch eine große Sammlung uralter Motorräder.

„Er war für mich wie ein Großvater. Er brachte mir sehr viel bei – sogar das Schweißen.“

Später erwarb Gutsch dort sein erstes Motorrad. Im Grunde war es mehr ein Tausch. Er überließ seinem „Großvater“ zwei Mopeds und bekam dafür einen Rabeneick Zweitakter. Unendlich stolz war er, denn er war der Erste mit einem echten Motorrad in seiner Schulklasse. Dass das Bike mit seinen sechs PS und 150 Kubik langsamer war als die Mopeds seiner Klassenkammeraden, störte ihn nicht. Er war längst vom Motorradvirus infiziert.

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Nicht wegschmeißen. Reparieren.

Es dauerte nicht lange, da investierte Gutsch sein Erspartes in seine erste BMW.

Die 1954er R 25/3 hatte doppelt so viel Power wie seine Rabeneick. Dass sie dennoch kaum schneller lief, fuchste ihn. Seine ganze Freizeit steckte er in das Motorrad. Zeit, die er keineswegs als verloren empfand.

„Es ist viel befriedigender, mit eigener Arbeit ein Motorrad wiederzubeleben als es einfach neu zu kaufen. Alte Motorräder können nahezu ewig halten. Wenn ein Bike gerade einmal 13 PS hat, sind die Teile nicht so sehr beansprucht“, erklärt er.

Eine Sonderbeilage der Zeitschrift Motorrad zum 50. Jubiläum von BMW Motorrad gab Gutsch einen Überblick über alle jemals gebauten BMW Motorräder. Besonders hatten es ihm die R 5 von 1936 und die sportliche R 68 aus dem Jahre 1952 angetan. Sie aufzutreiben, war allerdings fast unmöglich. Etwa 1.400 Stück der R 68 wurden überhaupt jemals hergestellt. Schließlich kaufte Gutsch in der Schweiz erst einmal eine R 51/3 von 1952. Er restaurierte sie und präsentierte das Ergebnis BMW. Die Arbeit kam gut an und Gutsch wurde direkt ein Nebenjob in der Klassikabteilung von BMW angeboten. Für den jungen Studenten wurde ein Traum Wirklichkeit.    

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Zehn Jahre Arbeit an einer Maschine.

Sein Liebling war die R 51 RS, eine Rennmaschine, von der überhaupt nur 17 Stück hergestellt wurden.

Ende der 30er Jahre fuhr der ungarische Champion Endre Kozma, der in Budapest bei BMW/Puch arbeitete, damit seine Rennen. Nach seinem tödlichen Unfall während einer Probefahrt mit einer Kundenmaschine, wurde die R 51 RS nach Argentinien verkauft. Bei den dortigen Rennen wurde die Maschine stark in Mitleidenschaft gezogen. Ein deutscher Importeur brachte sie schließlich zurück nach Europa. Gutsch stieß auf die Verkaufsanzeige in der Zeitung und überzeugte BMW davon, das Bike zu kaufen.

Ein Zylinder war kaputt, das halbe Motorgehäuse fehlte. Aber es war den ganzen Aufwand wert, davon war Gutsch überzeugt. „Ganze zehn Jahre dauerte es, bis es restauriert war“, sagt Gutsch.

„Als es endlich fertig war, nahm ich es mit auf eine Rennstrecke in Ungarn. Ein älterer Herr sah das Motorrad und konnte es gar nicht fassen. Ich verstand nichts von seinem Redeschwall. Aber ein anderer übersetzte, dass er das Motorrad als Lehrling immer putzen und polieren durfte. Damals, 1939, als er bei BMW/Puch in Pudapest arbeitete. Es war schön, die beiden sozusagen wiedervereint zu sehen“, erzählt Gutsch.    

Für die einen Krempel. Für die anderen Gold.

Wer in der Vergangenheit von BMW Motorrad stöbert, begibt sich auf eine Schatzsuche: Man weiß nie so recht, was es da draußen noch alles zu entdecken gibt, eingewickelt in alte Decken, vergessen in der staubigen Ecke einer chaotischen Garage. Sebastian Gutsch hat die Hoffnung nicht aufgegeben, irgendwann eine Rennmaschine aus dem Jahr 1935 zu entdecken. Eine Ära, in der BMW Piloten alles gewannen, was es zu gewinnen gab. Gutsch befürchtet, dass die Motorräder möglicherweise alle dem Verlangen nach Ruhm und Ehre zum Opfer gefallen sind, komplett zerstört in den harten Rennen der damaligen Zeit.

Gutsch gelangte schließlich in den Besitz einer R 5 sowie einer R 68. Er ist sich sicher, dass seine R 5 das original Rennmotorrad von Endre Kozma ist, auf dem dieser die ungarische Meisterschaft gewann. Zur R 68 kam er über einen Freund. Der hatte in Griechenland zufällig eine R 68 erspäht. Ihr Zustand war miserabel. Aber immerhin stand sie zum Verkauf. Gutsch machte sich gleich auf den Weg, mit seinem alten Ford Transit Van. Als er das Motorrad endlich sah, wusste er, dass er Gold gefunden hatte. Heute fährt er damit quer durch Europa, in den Campingurlaub mit Freunden. Hat Sebastian Gutsch also nur alte Motorräder?

Tatsächlich ist sein einziges Zugeständnis an die Moderne eine R 80 G/S. Doch selbst diese würden wohl viele Leute als altes Eisen abstempeln....

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